Wissen & Verantwortung
Canyoning-Sicherheit: Was wir aus Unfällen lernen
Schwere Unfälle im Allgäu verlangen Respekt vor den Betroffenen und einen offenen Blick auf Entscheidungen, Organisation und aktuelle Bedingungen. Hier erfährst du, worauf es bei einer geführten Tour ankommt.

Einordnung
Warum wir über Sicherheit sprechen
Die Frage im ursprünglichen Titel dieses Beitrags war Ausdruck einer persönlichen Auseinandersetzung mit tödlichen Unfällen. Heute wollen wir daraus konkrete Orientierung ableiten: Welche Informationen brauchen Gäste? Welche Entscheidungen müssen Guides treffen? Welche organisatorischen Bedingungen geben Veranstalter und Verbände vor?
Canyoning findet in einer natürlichen, veränderlichen Umgebung statt. Ein Restrisiko lässt sich nicht vollständig ausschließen. Entscheidend sind passende Touren, qualifizierte Begleitung und die Freiheit, bei Zweifeln umzudisponieren oder abzusagen.
Vor der Tour
Fünf Bausteine einer verantwortungsvollen Tour
Die Tour muss zur Gruppe passen
Strecke, Schwierigkeit und Anforderungen richten sich nach Alter, Erfahrung, Fitness und Zusammensetzung der Teilnehmenden.
Wetter und Wasser aktuell prüfen
Prognosen, Wasserstand und lokale Besonderheiten müssen vor und während der Tour beurteilt werden. Frühere Erfahrungen ersetzen keine aktuelle Einschätzung.
Zuständigkeiten klären
Ausbildung, Ortskenntnis und Einweisung zählen. Gäste sollten wissen, wer die Tour führt und wer über Abbruch oder Änderung entscheidet.
Jede Person passend ausstatten
Bekleidung und Sicherheitsausrüstung müssen zur Person und den Bedingungen passen. Unsere Hinweise zur Ausrüstung helfen bei der Vorbereitung.
Absagen können
Eine Verschiebung, Änderung oder Absage muss möglich bleiben, wenn Wetter, Wasser oder Gruppe nicht zur geplanten Tour passen.
Aus Ereignissen lernen
Rückblick auf Gunzesried und die Starzlachklamm
Die tödlichen Unglücke in Gunzesried und der Starzlachklamm gehören zur Geschichte des Canyonings im Allgäu. Sie betrafen Touren anderer Anbieter; Canyoning Team war bei keiner dieser Touren Veranstalter oder durchführender Guide. Die Folgen für die Betroffenen verdienen eine sachliche Aufarbeitung.
Zum Unfall in der Starzlachklamm 2022 liegt eine veröffentlichte fachliche Auswertung mit Beiträgen von Polizei, Sachverständigem und Staatsanwaltschaft vor. Der Sachverständige kritisiert die unzureichende Nutzung verfügbarer Wetter- und Pegelinformationen und das Festhalten am üblichen Ablauf trotz erkennbarer Gewittergefahr. Die Polizei nennt feste, firmenübergreifende Zeitfenster, die das Abwarten eines Regenschauers kaum zuließen. Das sind konkrete Hinweise auf Fehler bei der Tourplanung und auf problematische organisatorische Rahmenbedingungen.
Verantwortung genau benennen
Die Staatsanwaltschaft bewertet die Entscheidung der Guides, die Tour fortzusetzen, als ursächlich für die Verletzungen. Sie sah dagegen keinen strafrechtlichen Vorwurf gegen die beiden Veranstalter. Das Verfahren gegen die beiden Guides, die sie für den Todesfall verantwortlich machte, wurde nach § 153a StPO gegen eine Geldauflage eingestellt. Jonny Lovrinovic kritisiert diese Verfahrenseinstellung angesichts der dokumentierten Sicherheitsprobleme ausdrücklich; seine Bewertung ist keine gerichtliche Feststellung. Eine Verantwortung eines Verbandes stellt die Auswertung nicht fest. Gerade deshalb sollten Veranstalter und Verbände transparent machen, wer Zeitfenster und Abläufe festlegt und wie bei unsicherem Wetter davon abgewichen werden kann.
Für Gunzesried und für weitere Vorwürfe gegenüber einzelnen Organisationen gilt derselbe Maßstab: Wir benennen belegte Abläufe und lassen Einschätzungen als solche erkennbar. Sicherheitsrelevante Fehler und Versäumnisse sollten offen geprüft werden, ohne Tatsachen und Schlussfolgerungen zu vermischen.
Quelle zur Starzlachklamm: Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit, „Fortbildung Alpinsachverständige 2025“, Beiträge von Gerold Blank, Franz Deisenberger und Hanspeter Zweng. Die Darstellung zu Gunzesried enthält hier bewusst keine unbelegten Einzelvorwürfe.
Gut vorbereitet anfragen
Diese fünf Fragen kannst du vor einer Buchung stellen
- Welche Voraussetzungen gelten für Alter, Schwimmfähigkeit, Kondition und Vorerfahrung?
- Wer führt die konkrete Tour durch und wie werden die Teilnehmenden eingewiesen?
- Welche Ausrüstung wird gestellt, und was müssen wir selbst mitbringen?
- Wie werden Wetter und Wasserstand beurteilt, und wer entscheidet über Änderungen?
- Was geschieht, wenn die geplante Strecke am Termin nicht geeignet ist?
Ein verantwortungsvoller Anbieter kann diese Fragen verständlich beantworten und benennt auch Grenzen seines Angebots.
Unser Qualitätsansatz
Wie der CTQS Orientierung gibt
Der Canyoning Team Quality Standard (CTQS) betrachtet Auswahl und Einordnung, Durchführung und Sicherheit sowie Feedback und Weiterentwicklung. Er macht Anforderungen und offene Fragen sichtbar. Er ist keine Garantie für Unfallfreiheit und ersetzt weder die Verantwortung des Veranstalters noch die Einschätzung der Guides am Tourentag.
Wenn du eine Tour suchst, beschreibe in deiner Anfrage bitte Zeitraum, Region, Gruppengröße, Alter und Erfahrung. So lässt sich der passende nächste Kontakt vorbereiten. Die konkrete Tour und ihre Durchführung bestätigt der ausgewählte Veranstalter.